Sondersitzung der Gemeindevertretung Schauenburg am 7. Juni 2017

 

Abschied und Amtseinführung

 

Die Verabschiedung der bisherigen Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU), die Amtseinführung von Bürgermeister Michael Plätzer (SPD) und die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (BRD) an Karin Kestner - dazu hatte die Gemeindevertretung die Schauenburger Bürger am 7. Juni 2017 ins Elgerhaus eingeladen.

Zu den zahlreichen Gästen gehörten neben Landrat Uwe Schmidt auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden, Vertreter des Kreistages und der Lokalpolitik. Aus Semily war Tomaś Sabl angereist, der stellvertretende Bürgermeister der Partnerstadt.

 

Nach der Begrüßung durch Dr. Nico Storch, Vorsitzender der Gemeindevertreter, verlieh Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke im Auftrag des Bundespräsidenten den Verdienstorden der BRD an die gebürtige Schauenburgerin Karin Kestner für ihre großen Verdienste um die Entwicklung und Verbreitung der Gebärdensprache für Gehörlose und Schwerhörige. Zu diesem Ereignis hatten viele betroffene Freunde und Bekannte von Frau Kestner die zum Teil weite Anreise nicht gescheut – für sie wurde die gesamte Veranstaltung durch zwei Dolmetscherinnen in die Gebärdensprache übersetzt. Dr. Walter Lübcke würdigte in seiner Laudatio insbesondere den langjährigen großen persönlichen Einsatz von Frau Kestner bei der Unterstützung der Gehörlosen und Schwerhörigen sowie der Durchsetzung ihrer Interessen in Ausbildung und Beruf. Als Beispiel nannte er die frühzeitige Inklusion der Kinder in Krippen, Kindergärten und Schulen, die so Mithilfe einer Begleitperson bereits am Anfang ihres Lebens die Gebärdensprache leichter erlernen können. Sehr persönliche Worte des Dankes für das umfassende Wirken von Karin Kestner fanden auch Marion Nistor als Vertreterin des Bundesverbandes der Gehörlosen und Schwerhörigen, die von Tochter Xenja auf die Bühne begleitet wurde.

 

 

Nach zwölf Jahren Amtszeit wurde Ursula Gimmler danach vom Ersten Beigeordneten Manfred Nehm als Bürgermeisterin verabschiedet.

In ihrer Abschiedsrede wies Ursula Gimmler noch einmal auf die Schwerpunkte ihrer Arbeit hin, dazu gehörten u.a. die Erweiterung und Ausbau der Kinderbetreuung, fünf Wohngebiete und zwei Gewerbegebiete wurden entwickelt und zum großen Teil vermarktet, weitere Projekte zur Abwehr des demographischen Wandels vorbereitet. Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien würde die Gemeinde inzwischen etwa 200 Prozent ihres Eigenbedarfes selbst produzieren – durch eine Kombination von Sonne, Wind und Biogas.

Und „ganz nebenbei“ habe man eine neue Verwaltungsstruktur eingeführt, die noch immer fälschlicherweise auf die Doppik reduziert wird.“

 

Sie dankte allen ihren Wegbegleitern, insbesondere auch den Mitarbeitern der Verwaltung für die Zusammenarbeit und wünschte ihrem Nachfolger Michael Plätzer alles Gute und viel Erfolg für seine Amtszeit.

 

 

Dr. Nico Storch verlas die Ernennungsurkunde und nahm Michael Plätzer den Amtseid ab. Vorher hatte er noch einmal betont, dass es ein großer Vorteil der Demokratie für ihn sei, dass „Macht nur auf Zeit verliehen wird“. Und vermutete: „Durch die verschiedenen Interessen der Fraktionen in unserer Gemeindevertretung wird auch der neue Bürgermeister öfter zwischen die Fronten geraten.“ Dennoch soll er der Ansprechpartner für alle Einwohner sein. Nach dem Amtseid überreichte Ursula Gimmler die Ernennungsurkunde und den Rathausschlüssel offiziell an Michael Plätzer.

 

 

Seine Antrittsrede als Bürgermeister begann Michael Plätzer mit einem Dank an seine Vorgängerin für die nette und freundliche Zusammenarbeit in den vergangenen Wochen, in denen er die Gelegenheit bekam, die Strukturen der Verwaltung kennenzulernen: „Das war sehr partnerschaftlich.“

Er selbst arbeite nicht mit Gedanken und Vorstellungen, sondern mit Lösungen. „Und nicht ich, sondern wir tun das – Politik wird immer gemeinsam gemacht.“

Michael Plätzer rief alle Fraktionen der Gemeindevertretung ebenso zur Zusammenarbeit auf wie die Ortsbeiräte, die Vereine und Verbände, die Politiker des Landkreises, die Bürgermeister der Nachbargemeinden und nicht zuletzt die Beschäftigten der Gemeinde Schauenburg: „Ich freue mich darauf.“

 

Viele Glückwünsche für den neuen Bürgermeister und Dank für die gute Zusammenarbeit mit Ursula Gimmler überbrachten in ihren Grußworten Landrat Uwe Schmidt und Michael Aufenanger als Vertreter der Bürgermeisterkreisversammlung. Karl Christian Schelzke als Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes gab Michael Plätzer außerdem zwei „Warnungen“ mit auf den Weg: „Wenn der Bürgermeister seine Arbeit macht, sind es nicht mehr viele, die ihn gut leiden können.“ Das von Martin Luther und noch eines von Schelzkes Ehefrau anlässlich seiner eigenen Wahl zum Bürgermeister: „Ab sofort musst du mit allem rechnen, aber darfst nichts mehr erwarten.“

Gemeindevertreter Joachim Bröse dankte Ursula Gimmler im Namen der CDU-Fraktion für die gemeinsame zielorientierte Arbeit. Für die Vereine und Institutionen der Gemeinde Schauenburg gratulierte Pfarrerin Cathrin Szameit. Tomaś Sabl wünschte sich eine Fortsetzung der guten Partnerschaft zwischen Schauenburg und Semily.

 

Die Musiker des Sinfonischen Blasorchesters Schauenburg und des Musikvereins 1905 Elgershausen sorgten zwischen den Tagesordnungspunkten für Schwung und gute Unterhaltung.